Resveratrol

Resveratrol

Resveratrol ist ein natürlicher Pflanzenstoff aus der Gruppe der Polyphenole (Stilbene). Pflanzen bilden ihn als Schutzstoff gegen Pilze, UV-Strahlung und andere Umweltbelastungen.

Besonders viel Resveratrol findet sich in:

  • roten Weintrauben (vor allem in der Schale)
  • Rotwein
  • Heidelbeeren
  • Preiselbeeren
  • Erdnüssen
  • japanischem Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum, häufige Quelle für Nahrungsergänzungsmittel)

Resveratrol beeinflusst zahlreiche Signalwege, die auch bei der Entstehung und dem Wachstum von Krebs eine Rolle spielen. Im Labor konnte gezeigt werden, dass Resveratrol unter anderem:

  • das Wachstum verschiedener Krebszellen hemmen,
  • den programmierten Zelltod (Apoptose) fördern,
  • Entzündungsprozesse reduzieren,
  • die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) hemmen,
  • die Ausbreitung von Tumorzellen (Metastasierung) erschweren,
  • und die Wirkung einiger Krebsmedikamente verstärken kann.

Diese Effekte wurden jedoch überwiegend in Zellkulturen und Tiermodellen beobachtet. Ob sie sich in gleichem Maße auf den Menschen übertragen lassen, ist noch nicht ausreichend geklärt.

Wirkung auf die Krebszellen:

1. Hemmung des mTOR-Signalwegs

Viele Krebszellen besitzen einen dauerhaft aktiven PI3K–AKT–mTOR-Signalweg, der ihr Wachstum fördert.

Resveratrol kann diesen Signalweg indirekt abschwächen, unter anderem durch Aktivierung von AMPK, einem natürlichen Gegenspieler von mTOR.

Dadurch können:

  • Zellwachstum gebremst,
  • Proteinsynthese vermindert,
  • und Reparaturprozesse (Autophagie) gefördert werden.

2. Aktivierung von AMPK – der „Energiesensor“ der Zelle

AMPK erkennt Energiemangel.

Wird AMPK aktiviert,

  • sinkt die Zellteilung,
  • die Fettbildung wird gehemmt,
  • der Zuckerstoffwechsel verbessert sich,
  • und mTOR wird gebremst.

3. Förderung der Autophagie

Autophagie ist die „Müllabfuhr“ der Zelle. Beschädigte Eiweiße und defekte Mitochondrien werden abgebaut und recycelt. Resveratrol kann diese Prozesse unterstützen.

4. Auslösen des programmierten Zelltodes (Apoptose)

Gesunde Zellen können sich bei schweren Schäden selbst zerstören.

Viele Krebszellen verlieren diese Fähigkeit.

Im Labor konnte Resveratrol den programmierten Zelltod in verschiedenen Krebszelllinien fördern.

5. Hemmung der Blutgefäßneubildung

Tumoren benötigen neue Blutgefäße, um wachsen zu können.

Resveratrol kann die Bildung von VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) und anderer angiogener Faktoren hemmen.

Dadurch könnte die Versorgung des Tumors eingeschränkt werden.

6. Hemmung chronischer Entzündungen

Chronische Entzündungen können das Tumorwachstum fördern.

Resveratrol hemmt unter anderem:

  • NF-κB
  • COX-2
  • verschiedene entzündungsfördernde Zytokine

Dadurch entsteht ein weniger entzündliches Zellmilieu.

7. Schutz der Mitochondrien

Mitochondrien sind die „Kraftwerke“ der Zelle.

Resveratrol kann:

  • die Bildung neuer Mitochondrien fördern,
  • oxidativen Stress vermindern,
  • und die Energiegewinnung gesunder Zellen unterstützen.

8. Verminderung oxidativen Stresses

Resveratrol wirkt antioxidativ.

Es kann freie Radikale neutralisieren und die körpereigenen antioxidativen Enzyme unterstützen.

Welche Krebsarten wurden untersucht?

Präklinische Studien liegen unter anderem vor zu:

  • Brustkrebs
  • Darmkrebs
  • Prostatakrebs
  • Lungenkrebs
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Melanom
  • Leukämien
  • Multiplem Myelom
  • Glioblastom und Astrozytomen

Für keine dieser Tumorarten konnte bisher in hochwertigen klinischen Studien ein gesicherter Überlebensvorteil durch Resveratrol nachgewiesen werden.

Resveratrol und Glioblastom

Beim Glioblastom wurden besonders interessante Laborbefunde beschrieben.

Resveratrol kann dort unter anderem:

  • mTOR hemmen,
  • STAT3 reduzieren,
  • EGFR-Signale abschwächen,
  • Krebsstammzellen beeinflussen,
  • und möglicherweise die Empfindlichkeit gegenüber Temozolomid erhöhen.

Diese Ergebnisse stammen überwiegend aus Labor- und Tierstudien und erlauben derzeit keine Empfehlung als Standardtherapie.

Welche Dosierungen werden verwendet?

Über die Nahrung werden meist nur 1–5 mg täglich aufgenommen.

In wissenschaftlichen Studien wurden häufig 100 bis 1000 mg täglich eingesetzt:

Teilweise wurden auch höhere Dosen untersucht, allerdings steigt mit der Dosis nicht zwangsläufig die Wirkung.

Resveratrol wird im Darm gut aufgenommen, aber sehr schnell in Leber und Darm verstoffwechselt. Dadurch gelangen nur geringe Mengen des unveränderten Wirkstoffs ins Blut. Zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit werden verschiedene Formulierungen untersucht, z. B.:

  • liposomales Resveratrol,
  • mikronisierte Präparate,
  • Kombinationen mit Piperin oder Quercetin.

Mögliche Nebenwirkungen

Resveratrol gilt in üblichen Dosierungen meist als gut verträglich.

Gelegentlich können auftreten:

  • Übelkeit
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen

Hohe Dosierungen können Magen-Darm-Beschwerden verstärken.

Wechselwirkungen

Resveratrol kann mit Medikamenten wechselwirken.

Besondere Vorsicht gilt bei:

  • Blutverdünnern (z. B. Marcumar®, Warfarin, Apixaban, Rivaroxaban)
  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Clopidogrel
  • einigen Chemotherapeutika
  • Medikamenten, die über CYP-Enzyme der Leber verstoffwechselt werden

Deshalb sollte die Einnahme immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Zusammenfassung

Resveratrol ist ein natürlicher Pflanzenstoff mit vielfältigen biologischen Wirkungen. Im Labor konnte gezeigt werden, dass er wichtige Signalwege von Krebszellen beeinflussen kann – unter anderem durch Hemmung des PI3K–AKT–mTOR-Signalwegs, Aktivierung von AMPK, Förderung der Autophagie, Unterstützung der Apoptose sowie Hemmung von Entzündungen und der Blutgefäßneubildung.

Diese Ergebnisse machen Resveratrol zu einem interessanten Forschungsgebiet der integrativen Onkologie. Allerdings stammen die meisten Daten aus präklinischen Studien. Bisher gibt es keinen gesicherten Nachweis, dass Resveratrol allein oder als Nahrungsergänzung das Überleben von Krebspatienten verbessert. Es sollte daher ausschließlich als mögliche Ergänzung und niemals als Ersatz einer evidenzbasierten Krebsbehandlung eingesetzt werden.

Wenn Resveratrol im Rahmen einer integrativen Krebstherapie eingesetzt werden soll, empfiehlt sich die Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten mit Erfahrung in integrativer Onkologie und fundierten Kenntnissen zu komplementären Therapieverfahren. Dies gilt insbesondere dann, wenn gleichzeitig eine Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie durchgeführt wird oder weitere Medikamente (z. B. Blutverdünner) eingenommen werden. Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung sowie die Auswahl eines qualitativ hochwertigen Präparates mit guter Bioverfügbarkeit sind dabei wichtig.

 

Hinweis: Dieser Beitrag dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung.

Quellen:

pmc.ncbi.nlm.nih.gov/search/