PRP-Therapie bei Kniearthrose
Intraartikuläre Injektionen von plättchenreichem Plasma
PRP steht für Plättchenreiches Plasma (englisch: Platelet-Rich Plasma). Es handelt sich um einen konzentrierten Anteil Ihres eigenen Blutes, der besonders viele Blutplättchen – sogenannte Thrombozyten – enthält. Diese sind natürliche Speicher für Wachstumsfaktoren: biologische Botenstoffe, die Reparaturprozesse im Körper anregen, Entzündungen dämpfen und die Regeneration von Knorpel und Gelenkstrukturen unterstützen können.
Da das PRP ausschließlich aus Ihrem eigenen Blut gewonnen wird, sind allergische oder Abstoßungsreaktionen praktisch ausgeschlossen.
Kniearthrose – worum geht es?
Bei der Gonarthrose verschleißt der schützende Knorpel im Kniegelenk zunehmend. Typische Beschwerden sind Schmerzen beim Gehen und Treppensteigen, Morgensteifigkeit, gelegentliche Schwellungen sowie ein eingeschränkter Bewegungsradius. Konventionelle Behandlungen wie Schmerzmittel oder Kortison-Injektionen lindern zwar Symptome, bekämpfen aber nicht die Ursache. Die PRP-Therapie setzt an einem anderen Punkt an: Sie zielt darauf ab, die Gelenkumgebung biologisch zu verbessern, Entzündungsprozesse zu modulieren und die verbliebenen Knorpelzellen in ihrer Funktion zu stärken.
Behandlungsablauf
Die Therapieserie umfasst insgesamt vier Injektionen, die jeweils im Abstand von einer Woche durchgeführt werden. Jede Sitzung dauert etwa 45 Minuten und gliedert sich wie folgt:
- Blutentnahme: Wir entnehmen ca. 15–30 ml Blut aus einer Armvene – vergleichbar mit einer normalen Blutabnahme.
- Aufbereitung: Das Blut wird in einer speziellen Zentrifuge direkt in der Praxis aufbereitet. Die Zentrifugation dauert etwa 15–20 Minuten und trennt das plättchenreiche Plasma von den übrigen Blutbestandteilen.
- Injektion: Das gewonnene PRP wird unter streng sterilen Bedingungen präzise in das Kniegelenk injiziert. Auf Wunsch kann die Einstichstelle vorher betäubt werden. Der eigentliche Eingriff dauert 1–2 Minuten.
- Nachsorge: Das Knie sollte für 24–48 Stunden geschont werden. Auf intensiven Sport oder lange Fußmärsche sollte an diesem Tag verzichtet werden. Leichte Bewegung und Spaziergänge sind ausdrücklich erwünscht, da sie die Verteilung des PRP im Gelenk fördern.
Vorteile der Therapie
- Vollständig körpereigen – keine Fremdstoffe, keine synthetischen Zusätze
- Entzündungshemmende Wirkung durch gezielte Freisetzung von Wachstumsfaktoren
- Hinweise auf Förderung der Knorpelzellfunktion und der körpereigenen Gelenkschmierung
- Viele Patienten berichten über eine deutliche Reduktion ihres Schmerzmittelbedarfs
- Ambulant durchführbar – kein Krankenhausaufenthalt, keine Vollnarkose
- Gut kombinierbar mit Physiotherapie, Bewegungstherapie und anderen Maßnahmen
Für wen ist die PRP-Therapie geeignet?
PRP ist besonders sinnvoll bei leichter bis mittelschwerer Gonarthrose (Grad I–III nach Kellgren-Lawrence), wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen. Bei sehr fortgeschrittenem Knorpelverschleiß (Grad IV) oder bei akuten Infektionen im Gelenk ist PRP nicht die erste Wahl. In einem persönlichen Gespräch klären wir gemeinsam, ob die Therapie für Ihre individuelle Situation geeignet ist.
Verträglichkeit und Risiken
Da PRP aus Ihrem eigenen Blut stammt, sind allergische Reaktionen ausgeschlossen. Das größte Risiko einer jeden Gelenkpunktion ist eine Infektion – dieses liegt unter 1 % und wird durch streng sterile Technik minimiert. Ein vorübergehender leichter Anlaufschmerz oder eine milde Schwellung direkt nach der Injektion sind möglich, harmlos und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Über alle Risiken werden Sie vor der Behandlung ausführlich aufgeklärt.
Wann ist mit einer Wirkung zu rechnen?
PRP ist keine Soforttherapie, sondern ein biologischer Prozess. Erste Verbesserungen spüren viele Patienten ab der zweiten oder dritten Injektion. Der vollständige Effekt entfaltet sich häufig erst 6–12 Wochen nach Abschluss der Therapieserie und hält dann oft mehrere Monate bis über ein Jahr an. Bei gutem Ansprechen kann die Serie nach 12–18 Monaten wiederholt werden.
Vorbereitung
Bitte trinken Sie vor dem Termin ausreichend Wasser – das erleichtert die Blutentnahme. Falls Sie regelmäßig Blutverdünner oder entzündungshemmende Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, ASS 100) einnehmen, sprechen Sie dies bitte vorher mit uns ab, da diese Medikamente nach Möglichkeit 5–7 Tage vor der Injektion pausiert werden sollten.
Kosten
Die Kosten betragen 125,– Euro pro Sitzung, für die gesamte Therapieserie (4 Injektionen) somit 500,– Euro. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Die PRP-Therapie bei Arthrose ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird von den gesetzlichen Krankenkassen regulär nicht erstattet. Einige private Krankenversicherungen und Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten ganz oder teilweise – bitte erkundigen Sie sich vor der Behandlung bei Ihrer Versicherung.
Wenn Sie Fragen haben oder einen Termin vereinbaren möchten, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
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