Chelattherapie

Die zunehmende Umweltbelastung verursacht immer mehr Krankheiten, die mit einer Vergiftung durch toxische Metalle in Zusammenhang gebracht werden müssen. Aus diesem Grund ist die Chelattherapie bei der Behandlung von vielen verschiedenen Erkrankungen zu empfehlen. 

Symptome und Krankheiten im Zusammenhand mit Metallbelastung:

  • Aluminium: Demenz, Morbus Parkinson, Enzephalopathie mit Gedächtnis-, Konzentrations- und Bewegungsstörungen
  • Arsen: periphere Nervenschädigung mit Schwäche, Taubheit, Parästhesien, organische Psychosen mit Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Stupor, Delir, Schizophrenie
  • Blei: Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen, ADHS, Erschöpfungszustände, Verwirrtheit, Unruhe, Aggressionen, Psychosen, Halluzinationen, periphere Polyneuropathie, Immunschwäche und Allergien.
  • Cadmium: blocierung der Zellregeneration. Anämie, Fertilitätsstörung, Infektanfälligkeit, Leberfunktionsstörung, Nephropathie, Psychische Störungen.
  • Kupfer: Bewegungsstörungen, Hyperaktivität, Intelligenzverlust bis zur Demenz, störung der Funktion der T-Lymphozyten
  • Mangan: Koordinationsstörungen, Gangunsicherheit, Sprachstörungen, Anorexie, Erregungszustände und Aggressionen, Schlafstörungen, Parkinsonismus: muskuläre Anspannung, Bewegungsarmut, Zittern
  • Nickel: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit
  • Quecksilber: Intelligenzminderung, Sprachstörung, Unruhe, Aggressionen, Seh- und Hörstörungen mit Gesichtsfeldeinschränkung und partieller Taubheit, Polyneuropathie, Myasthenia gravis, Multiple Sklerose
  • Organisches Zinn: Hirnödem mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Sehstörungen, Krampfanfällen, Vergesslichkeit, Müdigkeit, Desinteresse, Kopfschmerzen, Schlafstörungen

Die Chelattherapie ist als Verfahren zur Ausleitung von Schwermetallen wissenschaftlich anerkannt und wird weltweit durchgeführt. Dabei werden Komplexbildner wie EDTA, DMSA, DMPS etc. oral oder als Infusion verabreicht. Die Chelate können dann mit dem Metallen im Körper stabile wasserlösliche Komplexe bilden, die dann über die Nieren ausgeschieden und im Urin gemessen werden können. Mit Hilfe der Chelattherapie können also schädliche Schwer-, Leicht- und Halbmetalle aus dem Körper ausgeschieden werden (4.).

In der Komplementärmedizin gibt es die Annahme, dass die Chelattherapie zur Behandlung der Atherosklerose (Arteriosklerose; Gefäßverkalkung) genutzt werden kann, da die Plaques an den Gefäßwänden unter anderem aus Calcium bestünden. Hier wird die Chelattherapie zur Behandlung von Durchblutungsstörungen angewendet. Allerdings ist diese Indikation bislang nicht wissenschaftlich bewiesen (5.,6.).

Die folgende Aufzählung gibt einen Überblick zu verschiedenen Chelaten und ihren Anwendungsgebieten:

  • EDTA (Ethylendiamintetraazetat) – Schwermetallvergiftung, z. B. Bleivergiftung
  • DMSA (Meso-2,3-Dimercapto-succinylsäure) – Schwermetallvergiftung, z. B. Blei- oder Quecksilbervergiftung
  • DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-L-sulfonat) – Schwermetallvergiftung, z. B. Blei- oder Quecksilbervergiftung
  • N-Acetylcystein – schwacher, aber gut verträglicher Komplexbildner, der ebenfalls bei Schwermetallvergiftung angewendet wird
  • Desferrioxamin – zugelassene Substanz zur Behandlung eines Eisenüberschusses, z. B. bei Thalassämie
  • Deferipron – zugelassene Substanz zur Behandlung eines Eisenüberschusses, z. B. bei Thalassämie

Die Chelate werden durch eine langsame Infusion in Kombination mit Spurenelementen, Vitaminen und Eisensupplementen (nicht bei Eisenüberschuss) verabreicht. Da sich Chelate auch mit Metallionen verbinden, die eine sinnvolle, wichtige Funktion im Organismus haben, müssen zusätzlich Spurenelemente bzw. Mineralstoffe substituiert werden, um Störungen im Elektrolythaushalt zu verhindern, die unter anderem zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen können. Aufgrund dieser Komplikationen sollte die Chelattherapie mit großer Vorsicht angewendet werden.

Bei folgen Erkrankungen werden Zusammenhange mit Metallbelastungen diskutiert

  • Alle Autoimmunkrankheiten (z.B. Colitis ulcerosa, Mb. Crohn, Rheuma, Asthma, Multiple Sklerose)
  • Chronische Müdigkeit, Fibromyalgie
  • Neurodegenereative Erkrankungen (z.B. Parkinson, Alzheimer, Depressionen, ALS)
  • Alle Krebserkrankungen

Kontraindikationen (Gegenanzeigen) für Chelattherapie 

  • Schwangerschaft
  • Durchblutungsstörungen, Aortenaneurysma, Herzrhytmusstörungen, schwere Herzinsuffizienz
  • Schwere Niereninsuffizienz und Leberinsuffizienz
  • nach Lungen-TBC
  • Akute Infekte, Anämie, Leukopenie, Kachexie

Vor Beginn der Chelattherapie erfolgen die gründliche Anamnese und die nötigen Voruntersuchungen (Labor - Großes Blutbild, Elektrolyte, Mineralstoffe, Leberwerte, Kreatinin, eGFR, Glutathion-S-Transferasen, Blutfette), EKG sowie Aufklärung.

Bei ca. 42 % Menschen besteht eine genetische Störung des Entgiftungsystem über spezische Enzyme Glutathion-S-Transferasen (GSTM1, GSTM3, GSTT1, GSTP1). Daher werden bei Menschen Schwermetalle unterschiedlich gut entgiftet. Bei Verdacht auf Defekte im Entgiftungssystem können wir eine molekulargentische Blutuntersuchung veranlassen. 

Während der Infusionen mit Chelaten werden bei uns die Patienten am Monitor mit kontinuierlicher Blutdruckmessung und Pulsoxymetrie überwacht. 

Mit einer Sprektrophotometrie (SO/check) kann man nicht invasiv und ohne Nebenwirkung die Menge der Mineralstoffe, Vitamine und Schwermetalle im Körper messen lassen. Beispiel SO-CHECKDie Kosten der Messung liegen bei ca. 50,- Euro.

Alternativ eignet sich für die Bestimmung der Gesamtbelastung des Körpers mit Schwermetallen ein standarisiertes DMPS-Test, sog. Mobilisations-Test. Dabei wird eine Infusion mit DMPS (3 mg/kg KG) infundiert und nach ca. 60 Min. Urin gesamelt. Im Urin können dann die augeschiedenen Schwermetalle gemessen werden. Der DMPS-Test ist also gleichzeitig die erste Therapie. Die Kosten (DMPS + Labor) liegen bei ca. 200,- Euro  

Die Chelattherapie wird in mehreren Sitzungen (20 bis 30), meistens 1 Mal pro Woche durchgeführt und der Patient kann während der Infusionen problemlos lesen, fernsehen oder arbeiten. Die Therapiedauer beträgt ca. 2,5 bis 4 Stunden. Die Kosten einer komplexen Chelattherapie als Behandlung einer Schwermetallvergiftung werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommenmit und liegen bei ca. 250 Euro und beinhalten sämtliche Zusatzstoffe (Vitamine, Spurenelemente, Aminosären, Glutation etc.).

Die Chelat-Therapie ist nicht gefährlicher als viele andere Eingriffe. Seit 1983 führten Ärzte allein in Deutschland über zwei Millionen Infusionen durch. Bislang gab es laut der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT) noch keinen ernsten Zwischenfall. Gemäß der von der amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH durchgeführten TACT-Studie sind ernste Nebenwirkungen sehr selten. 

Nach der Chealtinfusion kann es selten zu Unwohlsein, Schwindel, Müdigkeit, Fieberreaktion, sehr selten zu allergieähnlichen Symptomen (insbesondere bei DMPS) kommen.

Ca. 8 Stunden nach der Chelattherapie soll Zink und weitere (gute) Mineralien und Spurenelemente eingenommen werden

Vor und nach der Chelattherapie können zusätzlich im Urin die Schwermetalle gemessen werden (z.B. Labor Biovis - Preise und Inhalt - siehe Seite 5 - Entgiftung/Toxikologie), Die Kosten einer Untersuchung liegen bei ca, 115,- Euro. 


Quellen:

  1. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=haevy+metals - aktuell werden bei Pubmed unter Stichwort: "heavy metal" über 619.000 wissenschaftliche Publikationen gelistet.
  2. Fachinfo - Schwermetallbelastungen - GANZIMMUN Diagnostics GmbH
  3. Antidota: Handbuch der Klinischen Metalltoxikologie
  4. Schwermetalltoxizität: Ein Update der therapeutischen Strategien zur Chelatbildung
  5. Chelattherapie bei Herz-Kreislauferkrankungen: ein Update
  6. TACT-Studie
  7. Dr. Peter Jennrich - Das hat mir geholfen - Schwermetallentgiftung
  8. Dr. Peter Jennrich - Schwermetallbelastungen Was leisten die Chelattherapien? - Video
  9. Ärztegesellschaft für klinische Metalltoxikologie https://www.metallausleitung.de/ 
  10. Chelattherapie - Studien
  11. Risikoreduktion bei onkologischen Patienten durch Metallausleitung als Intervalltherapie
  12. https://www.evenbetterhealth.com/heavy-metal-poisoning.asp
  13. DMPS-Test i.v. -  https://www.labor-ostsachsen.de/analysenverzeichnis/quecksilber-mobilisationstest
  14. Chelat-Therapie: Ein historischer Kommentar
  15. Chemisches und pharmakologisches Wirkprinzip von EDTA
  16. Schwermetallbelastung - Ein Vortrag von Prof. Dr. med. univ. Harald Stossier - Video